Wirtschaft

Siemens und die neue Bescheidenheit

Klotzen statt Kleckern, Geld spielt schließlich keine Rolex. Oder etwa doch? Nachdem Siemens quasi zeitgleich einen neuen Profitrekord und den Abbau von 1350 Stellen bekannt gab, scheint der Konzern eine neue Feinfühligkeit entdeckt zu haben.

Es geht um Pressefotos des neuen Siemens-Konzernchefs Klaus Kleinfeld. Oder besser nur um ein Pressefoto, von dem aber zwei Varianten existieren. Beide Male lehnt Kleinfeld im dunklen Anzug locker-lässig an einem Geländer, lächelt in die Kamera.

Auffälliger Unterschied: Einmal prangt an Kleinfelds linkem Handgelenk eine protzige Rolex-Uhr – einmal nicht. Dabei handelt es sich offensichtlich um ein und dasselbe Foto. Das erste Foto stammt noch aus dem Sommer 2004, die uhrlose Version wurde am Donnerstag zur Amtseinführung Kleinfelds bereitgestellt.

Sieht ganz so aus, als habe Siemens plötzlich die Tugend der Bescheidenheit wiederentdeckt und den Luxus-Chronographen digital am Rechner wegretuschieren lassen. Judith Egelhof von der Publicis Kommunikationsagentur bestätigte, dass man die Rolex nachträglich aus dem Foto getilgt habe: “Das war der Wunsch von Herrn Kleinfeld. Er hatte keine Zeit für ein zweites Foto-Shooting.”

Widersprüchliches hört man dagegen aus der Siemens-Presseabteilung: Dort besteht Sprecher Peter Gottal darauf, dass man zwei Fotoserien anfertigen ließ. Mit Klunker-Uhr und ohne. “Uns erschien die Uhr auf dem Foto zu dominant, das war einfach ein handwerklicher Fehler des Fotografen”, sagt Gottal.

Wie es Siemens-Boss Kleinfeld gelang, auf zwei unterschiedlichen Fotoserien selbst im kleinsten Detail identisch auszusehen, verriet Gottal nicht.

Quelle: http://www.spiegel.de/wirtschaft/0,1518,339120,00.html

Schreibe einen Kommentar

Deine E-Mail-Adresse wird nicht veröffentlicht. Erforderliche Felder sind mit * markiert.