Zu blöd um wahr zu sein

Zu blöd… (17): Tschechisch ist geiler

„Wie wär’s denn mit der da, die ist klein und süß und vor allem trägt sie blonde Zöpfe – wenn das keine Vorzeige-Deutsche ist!“ – „Au ja, pappen wir noch ein ‚Deutsch ist geil!‘ drauf, dann haben wir ne super Anzeige gegen die ’steigende Überfremdung‘!“

Deutsch ist geil - Tschechisch ist geiler (Screenshot: Spiegel Online)So in etwa muss das wohl in der „Redaktion“ von „Objektiv“ abgelaufen sein – der nach eigener Aussage „nonkonformen Kölner Schülerzeitung“, die in Wahrheit nichts weiter als ein braunes Schmierblatt aus dem „Dunstkreis der rechtsextremen Bürgerbewegung ‚Pro Köln'“ ist. Und so wie auf dem nebenstehenden Screenshot sah das Ergebnis dann wohl aus.

Ein blondes Mädel, das auf Seite 16 der „Objektiv“-Erstausgabe für die „Jugend pro Köln“ wirbt, welche wiederum gegen „Überfremdung“ Stimmung machen will. Slogan: „Deutsch ist geil!“ So weit die dumpf-braune Klischeedenke.

Jaimy ist ein tschechisches Erotikmodel (Foto: sweetnaturalgirl.com)Zu blöd um wahr zu sein: Das blondbezopfte Mädel ist gar keine Pro-Kölnerin – sie ist noch nicht einmal Deutsche. So wie’s nämlich aussieht, ist Deutsch zwar geil – aber „Tschechisch ist geiler“! Denn wie Malte vom Spreeblick endeckt hat, handelt es sich bei dem Mädel um das tschechische Erotikmodel „Jaimy“, das eigentlich „einen Exklusivvertrag mit den Betreibern der holländischen Website sweetnaturalgirl.com hat, die das alleinige Copyright an den Bildern besitzen.“

Und uneigentlich auch, denn die Holländer haben die Bildrechte an „Jaimy“ mitnichten an die Rechten aus der Domstadt abgetreten. Und wie Malte schreibt, „waren [sie] auch nicht besonders entzückt, als wir sie darauf aufmerksam gemacht haben, für wen mit ihrem Bildmaterial geworben wird.“

Deutsche Lesebücher sind geil... (Foto: Screenshot Objektiv)Hoffentlich wird das so richtig schön teuer. Reagiert haben die Macher der braunen Postille jedenfalls schon: Im PDF-Download von „Objektiv“ wurde das Foto aus der Anzeige entfernt, statt dessen wirbt jetzt das „Lesebuch für Volksschulen. 5. und 6. Schuljahr“ für deutsche Geilheit.

Ach ja: mit Recht haben’s die Rechten scheinbar sowieso nicht so – oder sind braune Pseudo-Schülerzeitungen von der Impressumspflicht ausgenommen? Ich denke nicht…

[Nachtrag 22.8.06, 14:09 Uhr] „Bernd“ weist in den Kommentaren gerade darauf hin, dass sich das Impressum auf Seite 22 im Rätsel verbirgt. Mea culpa… War das wirklich schon die ganze Zeit da?

Hintergrund

Auf der Suche nach den Gerüchten und Spekulationen des Tages geht uns hier auch eine beachtliche Menge des ganz normalen Wahnsinns ins Netz – sozusagen der mediale Beifang: Berichte, Videos, Ereignisse, Zitate oder Erfindungen, so absurd und kurios, dass sie einfach zu blöd um wahr zu sein sind. Einmal täglich gegen 19 Uhr machen wir daraus die tägliche Ration Blödsinn.

Du weißt etwas, das hier auf keinen Fall fehlen darf? Her damit!

4 comments

  1. malte

    Ich dachte schon, meine Augen würden nicht mehr so gut funktionieren. Aber ein Impressum haben die wohl tatsächlich nicht. Trotzdem hat die taz Martin Schöppe als den V.i.S.d.P. ausgemacht.
    Für die Jugendseite der Bewegung ist wiederum manfred Rouhs verantwortlich. Ein aktiver Bürger.

  2. Bernd

    Ihre Augen funktionieren wohl wirklich nicht mehr so gut, sonst hätten Sie doch schon längst das Impressum auf Seite 22 entdeckt!

    Welch grandiose Ausdrucksweise: Haben tatsächlich kein Impressum, trotzdem hat die TAZ einen V.i.S.d.P. ausgemacht! Tolle TAZ! :))

  3. aufmerksamer Leser

    Wodurch soll eigentlich an dieser Schülerzeitung der Ausdruck „tiefbraunes Schmierblatt“ gerechtfertigt sein? Vermutlich meinen Sie damit den Artikel „Jessica und Ali“.

    Unter den hier lebenden Ausländern sind die Türken die Gruppe, die am häufigsten Straftaten begeht. Sie stellt ja auch den größten Ausländeranteil an der Wohnbevölkerung. Zwar weist die offizielle Polizeistatistik nicht aus, wie hoch der Anteil der Jugendlichen darunter ist, aber Untersuchungen im Dunkelfeld fördern gravierende Daten zu Tage: Jeder dritte Türke zwischen 14 und 18 hat bereits Gewalttaten begangen – von Raub über Erpressung bis zum Einsatz von Waffen. Auf 100 türkische Jugendliche entfallen drei mal mehr Straftaten als auf jugendliche Deutsche. Im Vergleich mit anderen Ausländern oder Aussiedlern liegen türkische Jugendliche bei der Kriminalitätsrate auf Platz eins. Männliche türkische Jugendliche sind in den Jugendstrafanstalten deutlich überrepräsentiert.

    Das schreibt nicht etwa die Schülerzeitung „Objektiv“, nein das schreibt der WDR:
    http://www.wdr.de/themen/politik/nrw01/jugendgewalt/index.jhtml?rubrikenstyle=kultur&rubrikenstyle=panorama&rubrikenstyle=forschung

    Tiefbraune Schmiererei beim WDR?

  4. FACTorFAKE.de

    Der tatsächlich aufmerksame Leser hätte bemerkt, dass ich nie von „tiefbraun“ geschrieben habe – also bitte ein bisschen sorgfältiger lesen und dann zitieren. Der tatsächlich aufmerksame Leser hätte bemerkt, dass „Objektiv“ braun ist, weil es für die „Jugend pro Köln“ wirbt. Braun ist „Objektiv“ überall dort, wo es nicht über die WM-Euphorie oder Kletterparks schreibt. Der tatsächlich aufmerksame Leser hätte übrigens auch bemerkt, dass ein Unterschied besteht zwischen Hetzschriften erfundener Religionslehrerinnen und journalistischer Berichterstattung.

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