In eigener Sache

Promi-Klatsch-Blogs: Disneyland für Erwachsene

Boomende Klatschblog-Industrie: (Screenshot PerezHilton.com)Schon im März hat sich Robert Basic seine Gedanken gemacht, welche Sorte Blog eine „Traffic-Garantie“ bieten würde. Lange überlegen musste er nicht: Einem VIP-Blog „über Stars und Sternchen der deutschen Medienbranche“ mit Gerüchten, Skandalen und Skandälchen gab Robert gute Chancen, innerhalb eines Jahres die 500.000 Besucher/Monat-Marke zu knacken. Zahlen, die von amerikanischen Celebrity-Blogs längst erreicht werden. In den USA erfreuen sich Gossip-Blogs wie Jossip, The Superficial oder Gawker schon längst exorbitanter Zugriffszahlen. Der Boston Herald beleuchtet nun in einem Artikel das einträgliche Geschäft der boomenden Klatschblog-Industrie, die sich im Herbst sogar erstmals zu einer Konferenz in Toronto trifft.

Blogger wie Mario Lavandeira, der mit seiner Site www.perezhilton.com inzwischen 600.000 bis 700.000 Hits pro Tag verzeichnet, kann von dem von ihm verbreiteten Klatsch über Hollywoods Promi-Riege ganz gut leben – gerade war der Vollzeit-Blogger beim Film-Festival in Cannes, um von dort exklusiv zu berichten. Flug und Unterkunft konnte er sich von seinen Blog-Einnahmen leisten. Nicht schlecht, möchte ich meinen.

Was die Klatsch-und-Tratsch-Blogs so beliebt macht? „Celebrity gossip blogs are an ‚adult Disneyland'“, zitiert Autorin Jessica Heslam den College-Professor Gregory Payne. Das Interesse am Promigeflüster dürfte hierzulande ähnlich hoch sein – das hat Robert glaube ich schon ganz gut erkannt. Dass aber deutsche Klatsch-Blogs wie viply.de oder auch mein eigenes (auch wenn FoF ja nicht auf Promi-Gerüchte beschränkt ist) trotzdem nicht so recht aus dem Quark kommen, liegt vermutlich an der Kombination aus unseren strengen Persönlichkeitsrechten mit einem weltweit einzigartigen Abmahnwesen, das Anwälte geradezu einlädt, sich mit teuren Unterlassungserklärungen ein ansehnliches Zubrot (wenn nicht mehr) zu verdienen.

Spitzzüngige Texte und bissige Headlines sind die Markenzeichen der US-Blogs und sicher einer der wesentlichen Gründe, warum sie so regelmäßig gelesen werden. Würden deutsche Blogs ähnlich „rotzfrech“ zu Werke gehen – sie könnten sich vor Abmahnungen vermutlich nicht retten. Hier sind jedenfalls schon wegen weit nichtigerer Beiträge Unterlassungserklärungen reingeflattert. Sicher auch ein Grund, warum sich Kollege Kai Michel von viply.de lieber auch auf Hollywood-Tratsch stürzt, anstatt über deutsche Promis zu lästern. Also: Der Markt ist in Deutschland bestimmt auch vorhanden – aber die Rahmenbedingungen sind ungleich schlechter.

3 comments

  1. Pingback: Basic Thinking Blog » haben deutsche Promi-Blogs einen an der Abmahnklatsche?

  2. Promi

    Allein der Begriff „Promi“ erzeugt bei mir sofort einen Brechreiz angesichts dessen, wohin sich die moderne Gesellschaft entwickelt hat.

Schreibe einen Kommentar

Deine E-Mail-Adresse wird nicht veröffentlicht. Erforderliche Felder sind mit * markiert.