Politik

IP-Bereiche des BND angeblich enttarnt

BND-Sitz in Berlin-Lichterfelde (Foto: A.fiedler; CC: by-sa)Mitarbeiter des Bundesnachrichtendienstes (BND) sollen angeblich Einträge des Online-Lexikons Wikipedia verändert haben. Wie Heise Online unter Berufung auf die Whistleblower-Seite Wikileaks berichtet, soll aus IP-Bereichen heraus, die mutmaßlich von Tarnfirmen oder Dienststellen des BND genutzt werden, unter anderem im Lexikoneintrag zum BND die Information in ihr Gegenteil geändert worden sein, dass Auslandsniederlassungen des Goethe-Instituts als „inoffizielle Residenturen“ des deutschen Geheimdienstes dienen. Der mutmaßlichen Enttarnung folgte prompt eine Säuberungsaktion beim Europäischen Internet Adressregister.[ad#468×60]

Aus dem aktuellen Wikipedia-Eintrag wurde der Hinweis auf das Goethe-Institut zwischenzeitlich offenbar vollständig getilgt. Als Indiz für den Vorwurf dient Wikileaks ein PDF-Dokument, das augenscheinlich von T-Systems stammt, in dem verschiedene IP-Ranges aufgeführt werden, die sich teilweise per Whois-Abfragen auf Organisationen oder Einrichtungen mit den Abkürzungen „BVOE“ und „LVP“ zurückführen lassen. Die Abkürzung „LVP“ steht unter anderem für die BND-Dienststelle Liegenschaftsverwaltung Pullach.

Die Domain bvoe.de gehört einer Müncher Firma namens Informationsbörse. Beweise, dass es sich bei der Firma um eine Tarnfirma des BND handelt oder die Domain in sonstiger Weise mit dem Geheimdienst zusammenhängt, gibt es nicht. Allerdings berichtet Wikileaks inzwischen, dass unmittelbar nach der Veröffentlichung der mutmaßlichen BND-Netzwerkbereiche eine „grossangelegte Säuberungsaktion beim Europäischen Internet Adressregister (RIPE) zur Entfernung von Details zum Bundesnachrichtendienst“ stattgefunden habe:

T-Systems bereinigte die RIPE-Datenbank von allen Netzwerken, die durch Wikileaks enthüllt wurden und verschob die Adressen in verschiedene grosse Adresspools, um somit die Zuweisung zu anonymisieren. Die Pools geben ausser ihrer Zugehörigkeit zu T-Systems keine Auskunft über ihre interne Struktur.

Kurz nach der Veröffentlichung des PDF-Dokuments hatte offenbar außerdem das Computer Emergency Response Team von T-Systems bei Wikileaks um Löschung des vertraulichen Dokuments ersucht – was den Schluss nahelegt, dass das Dokument authentisch ist. Wenig Zweifel an der Echtheit hegt auch ZDNet. Nach Informationen des IT-Nachrichtenportals führte die Rückverfolgung der fraglichen IPs nach München, Berlin, Flensburg, Freiburg und Braunschweig: „An allen diesen Orten hat der BND Niederlassungen“, so ZDNet.

Foto: Bestimmte Rechte vorbehalten

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