Politik

Koks-Skandal gehört zur Wahlkampftaktik

Ein neues Buch über den Bush-Clan enthüllt, dass US-Präsident George W. Bush wilde „Koks-Partys“ in Camp David feierte. Auf den ersten Blick ein handfester Skandal für den wahlkämpfenden Dabbelju. Auf den zweiten Blick der geschickte Schachzug eines skandalerprobten Wahlkampfteams.

Schon bei seiner ersten Präsidentschaftskandidatur musste George W. Bush Enthüllungen über seine Drogenverstöße im Jahr 1972 fürchten. Zwar existierten keine Polizei- und Gerichtsakten mehr – die hatte Papa Bush während seiner Zeit als US-Präsident bereits diskret entsorgen lassen – Mitwisser und potenzielle Sicherheitslecks gab es aber noch zuhauf.

Bushs Wahlkampfberater Karl Rove hielt deshalb Angriff für die beste Verteidigung: Er spielte dem kritischen Bush-Biografen J. H.Hatfield Informationen zu, wonach George W. Bush in den 70ern wegen Drogenbesitzes in Texas zu gemeinnützigen Sozialdiensten verurteilt worden war. Hatfield biss an und verarbeitete die Informationen in einem Buch über Bush.

Gleichzeitig mit dem Erscheinen von Hatfields Skandalbiografie dementierte Bushs Wahlkampfteam die Vorwürfe und lancierte gleichzeitig einen Artikel über Hatfield selbst, in dem eine frühere Haftstrafe des Autors öffentlich gemacht wurde. Der Plan ging auf: Plötzlich stand Hatfield als völlig unglaubwürdig da, der Verlag zog das Buch zurück und Dabbelju war aus dem Schneider.

Nun sieht es so aus, als wiederhole sich der Vorgang: In einer neuen Biografie über den Bush-Clan berichtet Bestseller-Autorin Kitty Kelley über angebliche Drogenexzesse von George W. Bush, der sogar noch während seiner Vater Präsident war in Camp David Koks-Partys feierte. In dem Buch „Der Bush-Clan“ bezieht sich Kelley dabei wie bereits vor ihr Hatfield auf eine Quelle aus Bushs Vertrautenkreis, seiner Schwägerin Sharon.

Und hoppla, Déjà Vu: Sharon, gerade frisch von Bushs Bruder Neil geschieden, dementiert prompt alle in der Biografie aufgestellten Behauptungen. Sie habe die Drogeneskapaden der Klatschreporterin nur verraten, um in den Verhandlungen um ihre Alimente ein Druckmittel gegen die Bush-Familie in die Hand zu bekommen.

Wieder bröselt ein handfester Skandal unter den Fingern einer als „unseriös arbeitend“ gebrandmarkten Boulevardjournalistin dahin und „verbrennt“ damit für alle anderen seriösen Medien. Und Bush ist wieder einmal aus dem Schneider.

Quelle: http://www.heise.de/tp/deutsch/inhalt/glosse/18340/1.html

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