Wissenschaft & Forschung

Steinzeit-Schädel bewusst falsch datiert

Einige der bedeutendsten steinzeitlichen Knochenfunde in Deutschland haben quasi über Nacht ihren Wert verloren: Der Anthropologieprofessor Dr. Reiner Protsch soll Knochen und Schädel bewusst falsch datiert haben.

Protsch leitet seit 1973 das C-14-Datierungslabor in Frankfurt, das mit der so genannten „Radiokarbon“-Methode das Alter prähistorischer Knochenfunde bestimmt. Eine nochmalige Überprüfung der Ergebnisse durch den Archäologen Thomas Terberger hat so viele so gravierende zeitliche Abweichungen ergeben, dass Zufall oder Fehlmessungen praktisch ausgeschlossen werden können – Dr. Reiner Protsch muss im großen Stil Ergebnisse bewusst verfälscht haben.

Zum Teil sind die Abweichungen der Datierung so eklatant, dass man beinahe meinen könnte, Protsch habe die Altersangaben ausgewürfelt:

– Den „Neandertaler von Hahnöfersand“ machte Protsch beinahe 30.000 Jahre älter: Statt 36.300 Jahre haben die Knochen erst knapp 7.500 auf dem Buckel.

– Die „Frau von Binshof-Speyer“ lebte laut Professor Protsch vor gut 21.300 Jahren. Tatsächlich ist die Dame weit weniger betagt, starb schon etwa 1300 vor Christus.

– Noch krasser die Abweichung beim „ältesten Westfalen“: Der Schädel von Paderborn-Sande, der von Protsch auf ein Alter von 27.400 Jahren datiert wurde, stank bei der zweiten Untersuchung durch Terberger sogar noch nach Verwesung – der „älteste Westfale“ starb erst vor etwa 250 Jahren im Rokoko.

In Wissenschaftskreisen scheint das Wissen um Protschs Zahlendrehereien schon länger zu exisitieren: Bereits vor 20 Jahren(!) schrieb der Prähistoriker Michael Mehlman einen Bericht, in dem er Protsch „Verdrehung von Fakten“ und Schludrigkeit vorwirft. Gelesen hat den Bericht anscheinend niemand.

Noch weiter geht Bernhard Weninger, ein früherer Mitarbeiter Protschs, der heute das C-14-Labor am Kölner Institut für Vor- und Frühgeschichte leitet: „Der Mann hat Daten gefälscht.“ „Hundertfach“ habe Protsch in seinem Labor „phantasiert“, verrät ein weiterer Kenner der protsch’schen Arbeitsmethoden.

Während die deutsche Anthropologie in ihren Grundfesten erschüttert wankt, weist Protsch alle Anschuldigungen zurück: Das sei eine „Intrige“.

Quelle: http://www.spiegel.de/spiegel/0,1518,313575,00.html

1 comment

  1. Karlie

    Ich glaube ebenfalls an eine Intrige.
    Was den Herren „Wissenschaftler“ nicht so recht in ihren Kram passt, wir passend gemacht. Sollte das aber nicht funktionieren, verschwinden mysteriöse Artefakte in den Kellern der Museen oder Institute. Unsere Erde ist ganz sicher wesentlich älter als angenommen…

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